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Unsere Geschichte

Von Bernd Müsing

Geschichten sind ja bekanntlich immer nur ein Teil von größeren und längeren Geschichten... In den ersten 205 Jahre dieser Geschichte wird ein Knoten geknüpft, der dann 15 Jahre studiert und danach in einigen Jahren Arbeit wieder aufgelöst wird.

1775, als 19-jähriger, schrieb Wolfgang Amadeus Mozart, wohl zum eigenen Gebrauch, 5 Violinkonzerte. 1980 machte ich mich als ein begeisterter, etwas spät gestarteter, Geigenschüler unter liebevoller Anleitung daran, das dritte Konzert dieser Reihe (G-Dur, KV 216) zu studieren. Die Freude daran war allerdings ein wenig getrübt, denn im Unterschied zu Stücken aus späteren Epochen traten einige nicht unerhebliche Schwierigkeiten in der Bogentechnik auf. Eigentlich war dies bisher ja eher meine Stärke gewesen, aber auch  die Leihgabe meiner Lehrerin und der Kauf eines neuen Bogens verbesserten die Lage nur wenig.

Ein anderes Hobby, die Rennräder, bestimmten meinen weiteren beruflichen Weg, mit dem Schwerpunkt auf Produktentwicklung, Design und Marketing. Ende der 80er lernte ich Andreas Wetzlinger kennen, ein Spezialist in Sachen Kohlefaserprodukte, und wir wurden enge Freunde.

Während eines gemeinsamen Skiurlaubs im Winter 1995-96 entdeckten wir, dass wir beide unabhängig voneinander schon lange über neuartige Kohlefaserbögen nachgedacht hatten. Da unsere Ideen sehr gut zusammenpassten, beschlossen wir einen Prototypen zu entwickeln. Da dieser Prototyp dann tatsächlich mein Mozart-Problem löste (siehe Das Konzept) und außerdem viel besser klang als mein Holzbogen, beschlossen wir an dem Thema weiter zu arbeiten. Tatsächlich dauerte es dann noch 4 Jahre, ehe wir die ersten "perfekten" Bögen fertigen konnten.

Für unsere erste Ausstellung, die Musikmesse 2000 in Frankfurt, war es uns gelungen, einen Stand von 6 (!) qm zu ergattern. Zu unserer großen Freude fanden unsere Bögen vor allem bei den Berufsmusikern äußerst positive Resonanz, aber wir erhielten gleich auch einige größere Aufträge. Damit waren die Weichen für die kommenden Jahre gestellt.

Andreas Wetzlinger und Bernd Müsing

Ein Schwerpunkt war nun, die Fertigung in Klagenfurt in Schwung zu bringen, was noch erhebliche Investitionen erforderlich machte, aber auch viel Zeit für die Ausbildung neuer Mitarbeiter erforderte.

Über die folgenden Jahre entwickelten wir dann Schritt für Schritt aus den ersten Bogentypen eine ganze Produktfamilie, bis hin zu den Bassbögen.

Inzwischen verbreiteten sich unsere Bögen immer weiter, vor allem über Empfehlungen "infizierter" Musiker, quer durch alle Schichten, von Schülern bis hin zu weltberühmten Solisten.

Was ich wohl nie vergessen werde, war die erste "Heilung" einer verzweifelten Cellistin, die aufgrund von Schmerzen in der Bogenhand ihre Karriere als Orchestermusikerin hatte aufgeben müssen und überhaupt kaum mehr als ein paar Minuten schmerzfrei spielen konnte. Unsere Bögen erschienen ihr vor allem wegen des geringen Gewichts einen Versuch wert. Und tatsächlich waren die Schmerzen in kürzester Zeit verschwunden. Das Telefonat mit Ihr, nach vielleicht einer Woche, war wirklich sehr bewegend, wie sich jeder leicht vorstellen kann.

Neben der Arbeit an den Bögen haben wir einige Jahre intensive Forschung an den Streichinstrumenten sowie deren Einstellungen, Stegen und Saiten betrieben. Dies hat uns zu entscheidenden Erkenntnissen verholfen um klar zu differenzieren, welche Komponenten welche Wirkungen auf Klang und Spielgefühl haben. 

Um der weiter wachsenden Nachfrage nach unseren Bögen gerecht zu werden entschlossen wir uns 2003, weitere Mitarbeiter einzustellen. Dafür reichte unser Platz in Veitshöchheim allerdings nicht aus. Mit viel Glück fanden wir nach langer Suche im Herzen Würzburgs wunderschöne Räumlichkeiten, die wir nach umfassender Renovierung dann im Oktober 2004 beziehen konnten.

Mit der Entwicklung der Veloce und Allegro Serien seit 2004 haben wir schließlich auch für Amateure und Schüler ideale Bögen im Angebot.

Meine bogentechnischen Probleme mit Mozarts Konzerten sind natürlich inzwischen längst gelöst. Leider habe ich aber bis heute noch nicht die Zeit gefunden meinen Mozart endlich einmal in aller Ausführlichkeit zu studieren, aber vielleicht klappt das ja irgendwann noch mal...


Das Konzept unserer Bögen, und wie wir sie herstellen.