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Historisches

Um 1700 entstanden in Cremona in der Werkstatt Antonio Stradivaris die ersten verbesserten Streichinstrumente in der heute noch bevorzugten Bauweise. Erst hundert Jahre später wurde in Paris von François Xavier Tourte, angetrieben von den Ideen und Anforderungen Viottis und Kreutzers, der moderne Bogen entwickelt.

François Tourte lebte von 1748 bis 1835 in Paris. Er war gelernter Uhrmacher und hatte einige Jahre in diesem Handwerk gearbeitet. Dadurch war er in der Verarbeitung von Metallen versiert und hatte so umfassende Kenntnisse in Mechanik, Werkstoffkunde und Mathematik erworben. Vielleicht wegen des starken Wettbewerbs im Uhrmacherhandwerk wechselte er etwa um 1774 in das Handwerk seines Vaters und seines Bruders, ohne je eine formale Ausbildung als Bogenmacher zu durchlaufen. Er durfte deshalb nur im zunftfreien Viertel Quinze-Vingts arbeiten. Fortan widmete er sich der Verbesserung der bestehenden Bogenmodelle. Um 1782 war er derjenige Bogenmacher in Paris, der es als einziger verstand, die neuartigen Anforderungen Viottis und Kreutzers erfolgreich in einem neuen Bogenmodell umzusetzen.

Die wesentlichsten Verbesserungen und Innovationen Tourte's waren:

1) Die Verwendung des allen anderen Werkstoffen überlegene Pernambukholz. In eigenen Versuchen fand er heraus, dass dieses Holz im Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht allen anderen Materialien überlegen ist. Damit ließen sich sehr "feste" (steife) Stangen mit relativ geringem Gewicht herstellen.

2) Er sägte und hobelte daraus gerade Stangen, denen er erst im halbfertigem Zustand über einer weichen Flamme ihre Biegung gab. Dadurch erhielt er einen durchgängigen Verlauf der Holzfasern, und damit eine weitere Optimierung von Steifigkeit und Gewicht. Gleichzeitig erhöhte sich die Bruchfestigkeit der Stange.

3) Indem er den Querschnittsverlauf und die Biegung der Stange ideal aufeinander abstimmte, konnte er den Klang und die Spieleigenschaften der Bögen weiter verbessern. Um den Schwerpunkt/die Balance zu optimieren, beschwerte er das hintere Ende des Bogens mit verschiedenen Metallteilen, die zudem verschleiß- und bruchgefährdete Bereiche (Wicklung, Zwickel, Beinchen) wesentlich verstärkten.

4) Er optimierte den Bezug: Dazu erfand er den Froschring; mit einem kleinen Keil fixierte er darin die Haare zu einem gleichmäßigen, flachen Band. Dazu kam später noch ein Perlmuttschub, der die Haare hinter dem Ring abdeckte.

Er war vermutlich auch der erste Bogenmacher, der Kopfplatten aus Silber anstelle von Elfenbein fertigte, um den Kopf zu verstärken. Außerdem verbesserte er die Gewinde der Schraubstangen, reduzierte die Höhe der Frösche und stellte die ersten modernen Bassbögen her.

Anfang des 19. Jahrhunderts perfektionierte er seine Bogenmodelle ästhetisch und funktionell immer weiter und entwickelte seinen ganz eigenen Stil. In dieser Form sollten sie dann zum Vorbild für den ganzen Europäischen Bogenbau werden. Er fertigte Zeit seines Lebens geschätzt etwa 5.000 Bögen, wobei er für die Herstellung eines Bogens etwa einen Arbeitstag benötigte. Viele dieser Bögen sind in den letzten 200 Jahren verloren gegangen.

 

Nicolo Paganini

F. X. Tourte hatte es also geschafft, robuste, leichter zu spielende und gut klingende Bögen zu bauen. Darauf basierend konnte sich in der Folgezeit die Spieltechnik erheblich weiterentwickeln.

Das beste Beispiel für die neuartigen Möglichkeiten die seine Bögen boten, sind die Werke und die Karriere von Nicolo Paganini, einem seiner frühen Kunden, Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.

Die Ergebnisse seiner theoretischen Arbeiten veröffentlichte François Tourte genauso wenig wie Antonio Stradivari und andere große Meister. Dadurch konnten die ihm nachfolgenden Generationen von Bogenmachern nur versuchen, durch Analysen und Kopien seiner Bögen die von ihm entwickelten Konstruktionsprinzipien zu verstehen.


Erwähnen möchten wir hier aber noch ein paar andere Bogenbauer, die nicht nur hervorragende Bögen gebaut haben, sondern in der Konstruktion weitere Verbesserungen und Innovationen geschaffen haben:

Christian Wilhelm Knopf (1767-1837, Marktneukirchen) erfand die Froschbahn aus Metall und verbesserte die Schraubenspitze.

John Kew Dodd (1752-1839, London) spaltete als erster die Bogenstangen optimal aus dem Holz und konnte damit die Bruchsicherheit verbessern.

Jean Baptiste Vuillaume (1798-1875, Paris) machte unter anderem Bogenstangen aus Stahlrohr. Um diese leicht genug zu machen, mussten sie natürlich extrem dünnwandig ausgeführt werden und waren darum recht empfindlich. Auch klanglich konnten sie wohl nicht mit wirklich guten Pernambukbögen konkurrieren. Er entwickelte außerdem völlig andere Frösche, die sich aber nie durchsetzen konnten.

Die Entwicklung der ersten Bögen aus Glasfaser geht vermutlich bis in die 60er Jahre zurück. Die Familie Glasser in New York produziert seitdem eine Linie von Schülerbögen, mit denen Sie zum führenden Hersteller in den USA wurden. Robert Berg, damals Kontrabassist beim New Zealand Symphony Orchestra initiierte die Entwicklung eines hochwertigen Bogens, der eine fast perfekte Kopie eines Holzbogens darstellt.

Anscheinend war Claudio Righetti 1989 der erste, der ein Patent auf die Herstellung von Kohlefaserbögen anmeldete. Benoit Rolland entwickelte Anfang der 90er Jahre einen hohlen Kohlefaserbogen mit einem zusätzlichen, internen Verstellmechanismus, genannt "Spiccato".

1996 entwickelten Andreas Wetzlinger und Bernd Müsing ein neues Konzept für Bögen mit einer weiter verbesserten Spannkraft, bei gleichzeitig reduziertem Gewicht. Die Grundlage dieser völligen Neuentwicklung bildet das vielleicht erste vollständige mathematische Modell eines Bogens, seiner Statik und Dynamik. Zu dessen Realisierung wurde ein völlig neues Herstellungsverfahren mit Einsatz modernster Kohlefaser-Verbundwerkstoffen entwickelt.


Lesen Sie mehr über unsere Forschungen und über die Konstruktion unserer neuen Bögen und über das was die Musiker zu den Ergebnissen sagen.

Und hier ist die ganze Geschichte zur Entstehung unserer Firma und der Bögen.

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